Sonntag, 19. November 2017

Lotta

Ganze 284 Gramm wiegt das kleine Igelchen, das ich hustend unter meinem Fenster finde.
Viel zu wenig für Mitte November. Der Zwerg!
Ein Mädchen; mit schönen dunklen Stacheln.
Ein Geschwisterchen von Lenny und Lana?
Sehr wahrscheinlich, und allein aus der Differenz der Körpergewichte resultiert die Notlage, in der sich das Tierchen befindet.
Ganz spontan fällt mir der Name Lotta ein; und auch Lotta muss sich das Flohspray gefallen lassen. ;-)
Wenn sie hustet - und das tut sie viel zu oft - erschrecke ich. So heftig ist es selten bei Igeln.
Bisolvon - Pulver, Pulmotin-Inhalation.
Sie frisst, aber nur wenig.
Zum Tierarzttermin wiegt sie nur noch 270 Gramm, verfällt zusehends.
Als wir die Transportbox öffnen, stinkt uns hellgrüner, schleimiger Kot mit viel Blut entgegen.
Ein einziges Häufchen Unglück kauert da ängstlich; und es dauert mich sehr.
Sie bekommt reichlich Infusionen; Antibiotikum.
Das rettet ihr wohl das Leben.....
Völlig erschöpft: Lotta in der Transportbox





Samstag, 18. November 2017

Geschwister?

Ja, ja - Ihr denkt doch bestimmt: Alles gelaufen dieses Jahr - Lenny geht brav in den Winterschlaf und das war's.
Ha! Von wegen! ;-)
Urplötzlich beginnt der niedlichste Lenny der Welt ganz heftig zu husten; da sind wohl weitere Lungenwürmer herangewachsen. :-(
Also neue Medizin; glücklicherweise schlingt der Igeljunge ja alles Futter herunter, was er bekommen kann.
Bald steht sein Umzug an ins Winterquartier - nix mehr mit DOLCE FARNIENTE! ;-)
Moppel-Lenny ;-)

Seine (vermutliche) Schwester Lana indessen wohnt weiter im Laubhaufen; nimmt bisher richtig gut zu: 100 Gramm pro Woche. So soll es sein! 560 Gramm wiegt sie nun, ein guter Beweis dafür, dass Zufütterung eine sinnvolle Hilfe darstellt.
Ich lege ganz vorsichtig eine alte Plane oben auf das Laub; schiebe ein Brett zwischen Zaun und Laub, um das Nest wärmer und vor allem regensicherer zu machen.
Hoffe, dass ich Lana mit den Änderungen nicht störe oder gar vertreibe.
Dabei stelle ich fest, dass es selbst in Igelanien viel zu wenige Unterschlupfmöglichkeiten gibt. Da muss sich nächstes Jahr unbedingt etwas ändern...
Lanas Hinterlassenschaften der letzten Tage betrachte ich zunehmend mit gemischten Gefühlen....
Aber ihre sind immer noch besser als die Zwergenspuren, die ich finde - die sind tatsächlich schlimm!
Ein Igelchen in Not, und es fehlt bisher jede Spur von ihm.
Da bringt jede weitere kühle Nacht mit null Grad eine zusätzliche Schwächung des Immunsystems.
Dann hustet es im Dunkeln, direkt unter meinem Fenster.
Ich schaue nach.......




Donnerstag, 16. November 2017

Arche Noah

Dies ist der 750. Post- wer hätte es je gedacht?
Wo ich doch eigentlich gar nicht mehr aktiv bin in der Igelpflege..... ;-)
Der erste Frost überrascht Igelanien; die Zahl der Tiere, die nach Futter und Wasser suchen, steigt weiter an-  Nebelkrähen, Elstern, Saatkrähen; Spatzen, Meisen; Spechte....
Gastkater Franz holt sich sein Leckerchen; der dunkle Streuner-Kater auch. Da fliegen ab und an die Fetzen... :-(

Von den Igeln bleiben noch drei; der kleinere der beiden Jungs wohnt weiter im großen Haus; Lana ist im Laubhaufen am Zaun heimisch geworden; und nach wie vor finde ich Zwergenspuren; die inzwischen so gar nicht mehr gesund aussehen.   
Wie in einer Arche versammeln sie sich; und ich bemerke: Noah war ein schwer beschäftigter Mann. ;-)
Die neuesten Meldungen sind erschreckend:
76 Prozent weniger Insekten seit 1989! 
In der Folge gibt es dramatische Verluste bei den Vögeln; mit dem Insektenfresser Igel beschäftigt man sich gar nicht.
Dabei trifft der Insektenmangel den Igel bereits seit Jahren hart; denn seine Hauptnahrung, die Laufkäfer, findet er kaum noch, es sind fast alle Arten ausgestorben. Notgedrungen weicht er auf die todbringenden Regenwürmer und Schnecken aus.
Kein Igel, der nicht hustet und so sein Versteck preis gibt, in dem er verborgen liegt.
Dass dem Igel die Lunge von Parasiten zerfressen wird, blenden die meisten Menschen aus. Wahrheiten sind so unbequem....
Und wo es keine "Archen" gibt, wird es wohl in Zukunft weder Insekten, Vögel noch Igel geben; die Folgen sind uns noch gar nicht wirklich bewusst....

Der Grünspecht ;-)




Sonntag, 12. November 2017

Hotel Mama

Ungewöhnlich mild ist der Herbst bisher; noch keine einzige Nacht gibt es Frost. Wohl zeigt sich das Wetter meist grau in grau und es regnet viel. Doch ab und an zaubert ein Sonnenstrahl ein letztes buntes Leuchten in die Bäume;  macht den Novemberhimmel melancholisch.

Lenny nimmt inzwischen gut und kontinuierlich zu; die 500-Gramm-Marke ist geknackt. ;-)
Seine Behandlungen sind nun abgeschlossen; der Husten dank Bisolvon und Pulmotin so gut wie weg.
Die Krämpfe hat er leider immer noch; und leider häufig.
Ich rätsele wie eh und je, woher diese Krämpfe bei den Igeln stammen könnten. Sind die Darmparasiten die Verursacher? Die sind aber nun vernichtet - weshalb trotzdem die Schmerzen? Bleibt der Darm etwa geschädigt? Dabei ist Gewebe doch  auch regenerationsfähig....
Kommt es vom Futter? Igel haben einen deutlich kürzeren Darm als andere Tiere; die Verdauung verläuft zügig - Ihr kennt das! *g*
Ausgelegt auf Käfer, nicht auf Katzenfutter.
Was passiert da in dem kleinen Darm, das den Igel vor Schmerzen keuchen lässt?
Ich gebe Lenny jeden Abend frischen Fencheltee, mit der Hoffnung, dass der seine Schmerzen lindern möge.
Er muss damit klar kommen; in Freiheit wird es weder Buscopan noch Fencheltee geben.....
Insgesamt kann der niedlichste Lenny der Welt erfreulich gut mit der Gefangenschaft umgehen; er ist viel entspannt, liegt draußen in der Box, gern auch auf dem Laub, das ich ihm zur Beschäftigung gebe. (Und auf das er immer draufpullert. *g)
Er genießt ganz definitiv Futter und Wärme. ;-)

 Langsam, ganz langsam wird es Zeit, an das Winterquartier zu denken....

Das große Haus unter dem Haselnuss-Strauch ist sofort bewohnt, nachdem ich einfach Bretter schräg angestellt habe - das gibt einen höhlenartigen, dunklen Eingangsbereich und weckt Igels Interesse.;-)

Die Schweinerei im Haus ist riesig, da möchte ich doch mal wissen, wer sich da häuslich niedergelassen hat. Vorsichtig riskiere ich einen Blick - und siehe da: ZWEI große Igel liegen aneinandergekuschelt im schmutzigen Nest. *g*
Igelkinder würde ich nicht stören wollen, aber die Beiden schaue ich mir vorsichtshalber an.
Als Profi-Personal hab ich Waage, Flohspray und Farbe dabei - Ihr wisst schon: Das sensationelle Himmelsblau!
Der erste Stacheljunge wiegt 782 Gramm, bekommt einen Sprüh Jacutin ab, einen Klecks Farbe auf die Stacheln und darf in ein neues maßgeschneidertes Schlafhaus.
Der zweite Stacheljunge wiegt 1015 Gramm und erhält die gleiche Behandlung. Ich schiebe ihn ebenfalls in das neue  Haus (das ist bereits dicht mit zerknülltem Zeitungspapier gefüllt) und hebe es  ins saubergemachte Igelhaus hinein. Beide Igel machen ein guten Eindruck; rund, Knopfaugen, kaum Parasiten. Hm.
Hotel Mama steht wohl weiterhin und sehr bequem zur Verfügung, aber vielleicht ist die unliebsame Prozedur ja ein Zeichen, sich endlich ein eigenes Winterschlafnest zu suchen?! ;-)
Mit diesem Gewicht sollten die Herren längst schlafen!
Es ist wie in jedem Herbst: Zuerst - teils schon Anfang Oktober - gehen die großen Igelmännchen in den Winterschlaf. Dann folgen die Weibchen, dann die Kranken. Und zum Schluss erst die Kinder. Bis in den Dezember hinein streifen sie umher, wenn das Wetter nicht winterlich wird.
Damit die beiden Igelkinder, die in Igelanien nach Futter suchen, auch wirklich satt werden können neben den gefräßigen Stacheljungs, versorge ich mittlerweile fünf Futterstellen.
Eine spaßige Angelegenheit bei Regen und Wind. ;-)
Ein Kleines wohnt nun im Laubhaufen direkt neben dem umgedrehten Baueimer, unter den ich immer Futter stelle. Es ist ein Mädchen; knapp 500 Gramm; fit und rund. Ich nenne es Lana; und solange es keinen Frost gibt, hat Lana ideale Bedingungen im Laubhaufen.
Zur Fütterungszeit gegen 16 Uhr treffe ich sie ab und an schon an; und ich bin immer heilfroh, dass sie das erste Futter noch mit Zimmertemperatur fressen kann.